Die "Sandaletten-Affäre" oder "Wie bewahre ich Ruhe in der Trotzphase"

mutti-bloggt.de - Sandaletten-Affäre
Die Übeltäter: die "bösen" Sandaletten

Ich glaube jede Mutter und jeder Vater befinden sich ab und an am Rande der Verzweiflung, wenn es um Diskussionen mit dem eigenen Kind geht. Und ich meine Kinder in jedem Alter. Nicht nur das pubertierenden Teenager-Kind, sondern auch - wie in meinem Fall - die "pubertierende" damals 3-jährige Tochter. Und DAS hat mir vorher niemand gesagt. Ich habe nicht gewusst, dass meine Tochter, wenn sie dann richtig gut sprechen kann, diese Fähigkeit in diesem Umfang nutzen wird - nicht mit dreieinhalb! Aber lest selbst, welche Situation mich und auch meinem Mann zuletzt ziemlich Nerven gekostet hat...

"Mama, ich bin schon groß!"

Schreine, Stampfen, Strampeln. Hauen, Heulen, ....

Oft der tägliche Wahnsinn in der Trotzphase. Zumindest bei uns. Vor einigen Monaten kam es wieder zu einem Vorzeigewutausbruch meiner dreieinhalbjährigen Tochter. Ich habe lange überlegt, ob ich darüber schreiben soll, aber ähnliche Situationen haben seit dem unseren Familienalltag begleitet. Und ich denke, nein, ich bin mir sicher, dass es den anderen Mamas und Papas dieser Welt ähnlich geht. 

 

Wir hatten damals gerade Urlaub und wollten etwas Schönes mit unserer Tochter unternehmen. Erst ein Eis essen und anschließend in den Zoo gehen. Nachdem sie, wie zuletzt eigentlich immer, keinen Mittagsschlaf gemacht hat, wollten wir los. Sie sollte ihre Sandaletten anziehen, weil es draußen gefühlte 35 Grad waren. Aber nein, Madame wollte ihre Turnschuhe anziehen, die eindeutig zu warm waren oder ihre Gartenlatschen aus Plaste, die mir nicht fest genug waren, um damit im Zoo rumzutoben. Beides für mich also ein NoGo! Zuletzt haben wir uns öfter von ihr breitschlagen lassen, weil wir einfach die Nase voll von dem ewigen Gezeter hatten.

Aber an diesem Tag wollten wir endlich einmal standhaft sein und zeigen wer hier der Boss ist und das letzte Wort hat. Ergebnis: eineinhalb Stunden Geschrei und Geheule, Diskussionen bis zum Abwinken und am Ende drei graue Haare mehr. Aber: Kampf gewonnen! Dieses Mal.

Gute Ratschläge an jeder Ecke

Bleib standhaft, nicht aufregen, rede mit ihr, erkläre ihr die Situation...

Alles Ratschläge die von Freunden, Verwandten und Bekannten auf uns einprasseln. Jedes Mal, wenn man mal wieder einen Schwank aus dem Alltag erzählt. Einerseits wird die ganze Situation belustigt runtergespielt, andererseits werden aber eben die guten alten Tipps aus der Schublade gezogen. Ok, manchmal ist man dankbar und klammert sich an jeden Strohhalm - nur um die Gesamtsituation irgendwie zu verbessern, aber meistens nervt es doch tierisch, wenn vor allem die eigenen Eltern immer alles besser wissen. Das Schlimme: alle Ratschläge, die wir ausprobiert haben, fruchteten meist nicht. Wir waren tatsächlich manchmal am Rande der Verzweiflung - und sind es noch. Wie erklärt man einer mittlerweile Vierjährigen, dass man eben gerade etwas Wichtiges mit Papa zu besprechen hat oder dass jetzt erst die kleine Schwester an der Reihe ist und dann sie. Wie lange soll ich sie bocken lassen, bis sie macht, was ich möchte. Wie lang soll sie die ganze Straße oder das ganze Haus zusammenschreien? Mit was soll ich sie noch erpressen, damit sie tut, was ich ihr sage? Keine Ahnung! Gibt es ein Rezept? Nein. Ist jeder Tag wie der andere? Nein. 

Die Inkonsequenz der Konsequenz

Wie lange haltet ihr durch bis ihr eurem Kind einfach nachgebt, weil ihr keine Lust oder einfach keine Kraft mehr habt, euch der Konfrontation zu stellen? Ja, im Moment des Sandaletten-Desasters war ich stark, hab gezeigt, dass ich bestimme und nicht sie. Am Ende hat sie gemacht was ich wollte, aber der Tag war hinüber, die Laune am Boden und der Zoobesuch letztlich kürzer, da ja schon so viel Zeit ins Land gestrichen war.

Keiner war also richtig zufrieden. Und hat es was gebracht aus das kurze Gefühl des Sieges? Nein. Der nächste Bock hat doch schon um die Ecke gewartet. 

Es gibt vielleicht die Mütter und Väter, die sich jeder Konfrontation bis zum bitteren Ende stellen. Ich bin es nicht. Ich bin zwar grundsätzlich eine starke Person, aber auch meine Nerven haben ein Ende wenn mir nach einer Stunde Geheule das Ohr klingelt, auch ich habe irgendwann Mitleid mit meinem Kind, weil es weint, traurig ist und seine Gefühle nicht steuern kann. Sie ist vier - damals drei - was verlange ich meiner Tochter ab? Klar muss sie lernen, dass sie sich nicht alles erlauben kann und ja, hier und da muss ich auch Strenge zeigen - vor allem bei einer so kleinen dominanten Persönlichkeit wie meiner Tochter. Aber am Ende möchte ich vor allem Harmonie. Eine glückliche Familie und mein Stresslevel etwas runterfahren. Diese Balance zu finden. Schwierig. Eine tägliche Herausforderung. Aber am Ende weiß ich nicht, ob es falsch oder richtig ist, wie ich handle. Ich glaub das ist die allgemeine Unsicherheit der Elternschaft. Wahrscheinlich muss ich lernen die Situationen zu akzeptieren, 3x tief durchatmen, mir sagen: sie ist noch ein Kind - dann kommen wir alle aus der nächsten Sandaletten-Affäre viel entspannter raus!

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Kommentare: 2
  • #1

    Domi (Dienstag, 08 August 2017 12:37)

    Mein Kleiner ist noch nicht einmal zwei und trotzt und motzt manchmal schon wie ein Großer. Inzwischen habe ich gelernt zu selektieren, welcher Kampf es wert ist gekämpft zu werden, und bei welchem ich einfach ein Auge zudrücken kann. Denn Fakt ist: bei vielen Dingen passiert nichts Schlimmes, wenn man dem Kind seinen Willen zugesteht. Ich glaube auch nicht, dass sich in seinem Hirn festsetzt, dass die Mama inkonsequent ist. Viel mehr habe ich das Gefühl, dass die Dinge, die mir wirklich am Herzen liegen und die nicht verhandelbar sind, viel eher und schnell akzeptiert werden, wenn man in anderen Situationen auch mal kompromissbereit ist.
    LG

  • #2

    Julia (Dienstag, 08 August 2017 21:30)

    Hallo Domi,

    danke für die schönen Worte. Du hast Recht - Dinge die einem wirklich wichtig sind zieht man konsequenter durch als Dinge, an die man nicht so viele Gedanken verschwendet. Ich denke auch nicht, dass ein Kind dadurch "verdorben" wird. Eher macht man sich doch das leben viel schwerer als es sein muss. In 20 Jahren denken wir uns doch nur: man, warum haben wir eigentlich damals aus jeder Mücke einen Elefanten gemacht. Hätten wir doch lieber die Zeit genossen. Also: genießen wir doch unsere Kinder so wie sie sind!