"Wenn Mutti früh zur Arbeit geht..." - Ein Brief an Mami

Wenn Mutti früh zur Arbeit geht - mutti-bloggt

Oh je, meine Mami muss wieder zur Arbeit. Und das, nachdem ich soooo lange mit ihr zu Hause war. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt für mich, der mir ein bisschen Angst macht, auf den ich mich aber auch freuen kann. Oder? Was ich meiner Mama schon immer einmal sagen wollte...

Liebe Mami,

...seit meiner Geburt vor etwas über einem Jahr warst du jeden Tag für mich da. Du hast mich gefüttert, gewickelt, angezogen, ausgezogen, mich gewaschen, mit mir gekuschelt, mich in den Schlaf geschaukelt, mir im Kinderwagen und später in der Karre die Welt gezeigt. Wenn ich krank war, warst du besonders lieb zu mir. Du hast mich mit 1000 Küssen überschüttet, auch wenn ich pausenlos geweint hab, weil ich dir nicht sagen konnte, wo es gefehlt hat. Deine sorgenvollen Blicke haben mich auch traurig gemacht. Aber wenn du gelacht hast, war ich fröhlich. Ich war glücklich wenn du den ganzen Tag mit mir gespielt hast, wenn ich einen zweiten Keks essen durfte, obwohl ich schon einen hatte und auch wenn meine Schwester mit mir Zeit verbracht hat, obwohl sie noch nicht so viel mit mir anfangen konnte. Ich fand es schön, wenn wir uns mit anderen kleinen Babys trafen und du deine Sorgen mit mir, mit anderen Muttis teilen konntest. Besonders nachts habe ich mich gefreut, wenn ich ganz nah bei dir sein konnte und du mir den Schnuller wieder in den Mund gesteckt hast, weil ich ihn alleine im Bett nicht finden konnte. 

 

Jetzt bist du plötzlich weg. Von einem Tag auf den anderen! Ich habe mich ein bisschen erschrocken. Jetzt ist Papa plötzlich den ganzen Tag da! 6 Wochen passt er auf mich auf bevor ich in die Kinderkrippe gehe. Ich sehe dich nur noch morgens bevor du zur Arbeit musst. Du wirkst ganz schön gestresst und hast nur wenig Zeit für mich. Manchmal schimpfst du auch mit Papi, weil er noch nicht alles so gut drauf hat wie du. Er weiß nicht, was er mir anziehen soll und was ich denn genau zum Mittag gerne esse. Aber keine Sorge, Papa kriegt das hin. Er muss ja auch erst lernen, so viele Stunden mit mir alleine zu sein. Ich bin ja auch manchmal ganz schön anstrengend und kann nur "Mama", "Papa" und "Alle Alle" sagen. Trotzdem. Wenn du nach Hause kommst, merke ich meist, wie sehr ich dich eigentlich den ganzen Tag vermisst habe und will sofort auf deinen Arm. Es ist schön, wenn du dich dann ganz auf mich konzentrierst. Das finden meine Schwester und auch Papa manchmal nicht so gut, aber ich brauch dich doch, Mami. Ich möchte dich am liebsten den ganzen Tag um mich haben. Vermisst du mich auch so auf Arbeit? Warum musst du da eigentlich hin?

 

Wenn ich könnte, würde ich dir aber von den vielen tollen Erlebnissen mit Papa berichten. Wie er mit mir Einkaufen gefahren ist, wie er mit mir Oma auf der Arbeit besucht hat oder wie wir mit meiner Schwester beim Kindersport waren. Wir erleben ganz schön viel. Aber das ist schön. So vergeht die Zeit schnell bis du wieder da bist und ich glaube, Papi weiß auch nicht so recht, was er mit mir zu Hause die ganze Zeit anfangen soll. Ich freue mich schon auf die nächsten Tage mit Papi und bin gespannt, was er noch so alles mit mir vor hat. 

 

Bald soll ich dann ohne Papi und dich in die Kinderkrippe gehen - da, wo auch meine Schwester ist. Zum Glück! Dann bin ich nicht so alleine. Ich hoffe, sie spielt dann dort auch mit mir. Vielleicht darf ich dann ja auch ein bisschen mehr mit ihren Spielsachen spielen, als ich es jetzt darf. Sie ist ganz schön streng und nimmt mir viel weg, was ich mir angucke. Aber das machen die anderen großen Kinder vielleicht auch. Ich bin dann auch den ganzen Tag weg - genau wie du. Wir sehen uns alle erst nachmittags wieder. So viel Zeit, die uns fehlt. Aber ich muss erst verstehen, dass ich auch alleine in der Welt zurecht kommen muss. Das lerne ich sicher in der Krippe. Oder, Mami? Ich kann dir dann jeden Abend vor dem Schlafengehen von meinem Tag erzählen. (Wenn ich endlich sprechen kann) So wie du es jeden Abend machst. Darauf freue ich mich. Ich freue mich auch auf die anderen Kinder, mit denen ich spielen kann. Zu Hause war es manchmal ganz schön langweilig mit dir alleine, Mami. Du wirst sehen, ich schaffe das ohne dich!

 

Dein Baby

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